FSC Möve Obernau

Alpenflug am Pfingstmontag 2014


 Hier ist der Bericht von Stefan über die Erfüllung eines Traumes:

 Nach einer Alpenquerung zu Fuss nach Bozen vor drei Jahren wurde der Traum geboren:
 von der Bergwelt begeistert wollte ich selbst mit dem Motorsegler von Aschaffenburg aus über die steilen Berge
 und glänzenden Schneefelder fliegen. Die nächste Stadt südlich der Alpen mit Flugplatz ist Bozen.
 Um diese sicher zu erreichen muss gut geplant werden.
 Die in den Alpen häufig kurzfristig auftretenden tiefen Wolken, Gewitter, Regen- und Schneeschauer
 können die Sicht vollständig verhindern.
 Plötzliche heftige Fallwinde können ein kleines Flugzeug schneller die Höhe verlieren lassen als es der Motor ausgleichen kann
 und das Flugzeug dann in einem engen Tal ohne Notlandemöglichkeit gefangen werden.
 Da es mein erster Alpenflug war, begleitete mich Manfred als Copilot.
 Letzten Pfingstmontag war es endlich soweit: das Wetter nördlich, in und südlich der Alpen war stabil,
 die Sicht gut und nur geringer Wind angekündigt.

 Nach letzten Flugvorbereitungen und Checks hob der D-KNER um 9:00 Uhr in Obernau in Richtung Süden ab.
 Nach fast zwei Stunden Flugzeit lagen die Alpen mit ihren weissen Gipfeln gut sichtbar vor uns.
 Kurz darauf wurde Kempten, das Etappenziel nördlich der Alpen, überflogen.

 Der Einstieg in die Alpen beginnt bei Reute. Hier an der Grenze wurde Funkkontakt mit Innsbruck aufgenommen,
 auf deren Frequenz reger Funkverkehr herrschte.
 Was der Autofahrer mühsam erklimmen muss wurde fliegend spielerisch über die Berggipfel überwunden:
 der Fernpass in das Inntal, das sich weit nach links Richtung Innsbruck erstreckt.
 Auf direktem Flugweg steigt das Ötztal langsam an in die Ötztaler Alpen.
 Durch den geradlinigen Talverlauf ist die Navigation einfach: immer geradeaus.
 Zuerst kommt Sölden, dann Obergurgel. Hier wird es spannend.
 Durch die hohen Berge geht der Funkkontakt zur Flugkontrollstelle verloren. Der starke Motor zieht die Maschine auf 4000m hoch
 in sicherem Abstand über die Ötztaler Alpen. Die Berge sind hier noch tief verschneit vom Schnee des letzten Winters.

 In dieser Höhe müssen wir gegen die dünne Luft vorsorgen: die Sauerstoffversorgung wird angelegt und eingeschaltet.
 Hoch oben auf dem Berggrad zwischen Österreich und Italien muss Funkkontakt zur Flugsicherung in Padua aufgenommen werden.
 Jetzt hatten wir die schwierigste Stelle überwunden.
 Diese Route kann nur bei gutem Wetter beflogen werden, häufig liegen die Berge in Wolken
 und der wesentlich längere Weg führt auch die Flieger dann über den Brennerpass.

 Nach diesem höchsten Punkt des Fluges kann der Gashebel auf Leerlauf zurückgenommen werden.
 Auf 40 km Entfernung 3000 Höhenmeter tiefer fliegen für die Landung in Bozen.
 So schnell sinkt der Motorsegler selbst mit Leerlauf nicht, ausgefahrene Bremsklappen müssen den Sinkflug unterstützen.
 Es geht über Meran mit seiner üppigen südlichen Vegetation und seitlich vorbei am hochgelegenen Wintersportgebiet Meran 2000.
 Reinhold Messners zentrales Bergmuseum Schloss Sigmundskron in Bozen
 weist den letzten kurzen Teil der Stecke zum Flugplatz, der direkt daneben liegt.

 Hohe, bedrohlich nach Regen und Gewitter aussehende Wolkentürme zwingen zu einem baldigen Rückflug
 bereits am frühen Nachmittag. Nach leichtem Nieselregen, vorbei an zwei Segelflugzeugen
 sind die Alpen bald wieder in Richtung Norden sicher überquert.
 Der letzte Rest des Fluges wird von extrem deutlichen Warnungen der Fluginformation Langen
 an die in Richtung Koblenz und Köln fliegenden Flugzeuge begleitet.
 Diese müssen umgehend den Zielflugplatz erreichen oder schnellstens landen.
 Das schwere Unwetter in Nordrhein-Westfalen hat bereits begonnen.
 
Wir aber erreichen gegen 20:00 Uhr glücklich und um viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher den Flugplatz in Obernau.