FSC Möve Obernau
Judith's Flieger-Tagebuch

18.4.2003

Mein erster Flug

 

Endlich ist es soweit: mein erster Tag als Flugschülerin.
Als erstes nahm mich Christoph zur „Tauglichkeitsprüfung“ auf einen Schnupperflug im Twin III mit. Fest angeschnallt auf dem hinteren Sitz ging es los. Die starke Beschleunigung durch die Winde überraschte mich. Nach dem Ausklinken konnte man bei den guten Sichtbedingungen sogar die Skyline von Frankfurt sehen. Obwohl ich das Schiebefenster geöffnet hatte war es sehr warm. Als wir genug Höhe gewonnen hatten forderte mich Christoph auf alle Gurte richtig fest zu ziehen und mich für ein paar Kunststücke bereit zu machen. Er fing ganz harmlos mit einigen Trudelumdrehungen an und machte mit einem Looping und anschließendem Rückenflug weiter. Am faszinierendsten fand ich es jedoch, als wir senkrecht nach oben flogen, die Geräusche um mich herum immer leiser wurden, das Flugzeug kurz am Scheitel in Stille verharrte, dann langsam - wie in Zeitlupe - über den einen Flügel abkippte und die Fahrtgeräusche während des Sturzfluges sofort wieder zunahmen. Das jagt einem das Adrenalin durch die Adern. Am Ende des Kunstfluges war ich begeistert und stimmte einer Wiederholung natürlich sofort zu.
Das war ein Fehler! Danach war mir speiübel. Mein Magen hatte sich zwar bis zur Landung wieder etwas beruhigt aber meine Gesichtsfarbe war aber wohl noch nicht zurückgekehrt. Deshalb durfte ich mir ein paar entsprechende Kommentare gefallen lassen. Doch dieser Flug hat, trotz einiger Bedenken der Zuschauer, die den Flug vom Boden aus verfolgt hatten, meine Begeisterung fürs Fliegen nicht gemindert! Im Gegenteil: eher verstärkt.
Nachdem ich mich etwas erholt und den Flugbetrieb verfolgt hatte, wurde es tatsächlich ernst und ich kam auch noch zu meinem ersten Flug als Pilotin. Mein Fluglehrer Herbert erklärte mir noch einmal genau die Wirkung der verschiedenen Ruder. Mit dem Motorsegler FALKE (D-KASP), Herbert als Co-Piloten und vielen Kissen unter dem Po (da ich sonst mit den Füßen nicht an die Seitenruderpedale komme) ging es in die Luft. Trotz der Kopfhörer war es sehr laut im Cockpit. Während des Starts konnte ich Herbert kaum verstehen und überhaupt muss ich mich an den Funk erst noch gewöhnen! Während des Starts steuerte natürlich Herbert das Flugzeug, doch nach kurzer Zeit übergab er mir den Knüppel mit der Aufgabe: „flieg einfach geradeaus“......
Das ist gar nicht so leicht wie ich dachte! Jeder kleine Windstoß – und davon gab es viele – ließen den KASPer wild durch die Gegend tanzen! Doch nach einiger Zeit und vielen Korrekturen klappte es dann relativ gut. Aber irgendwann mussten wir auch mal umkehren. Dazu wurden die Kurven erfunden! Aber das ist ja noch viel schwieriger als nur geradeaus! Am Anfang flog ich sie immer sehr steil, also mit zu viel Querneigung. Deshalb griff Herbert auch immer wieder ein. Nach 42 Minuten war mein erster Flug leider viel zu früh zu Ende. Danach wurden alle Flieger „gewaschen und getrocknet“ und nach dem Einräumen der Flugzeuge war auch mein erster Tag als Flugschülerin beendet.
Die Dämmerung brach herein. Schön war`s!

20.4.2003

Die ersten Fahrversuche

 

Es war schon viel los als ich endlich gegen 14:30 Uhr eintraf. Als erstes lernte ich wie man das Startseil der Kupplung am Flugzeug einhakt, die Ausklinkprobe macht und worauf ich beim Umgang mit den Seilen alles achten muss. Ganz schön viel was man dabei zu beachten hat. Da man aber nur durch Übung lernt bereitete ich die nächste Zeit Seile vor und hakte sie ein. Gleichzeitig lernte ich dabei auch die verschiedenen Flugzeuge und ihre Besonderheiten kennen. Nachdem ich auf die Aufforderung ein Flugzeug mit dem Rückholauto zu holen nur entsetzt mit „ Ich kann doch noch gar nicht Auto fahren!“ (mit 16 Jahren eigentlich normal...) beantwortet hatte und ich dann „ na dann wird’s aber Zeit.“ zu hören bekam, lernte ich eben Auto fahren. Bei den ersten Fahrten korrigierte Mayk mich immer wieder und verlor, selbst wenn ich mal wieder den Motor zweimal hintereinander abgewürgt hatte, nie die Geduld.
Gegen Abend machte ich meinen zweiten Flug mit dem KASPer, Dieter als Fluglehrer und wieder einigen Kissen unterm Po. Die Sicht war diesmal nicht sehr gut da es sehr diesig war. Dafür klappte es mit dem Geradeausfliegen schon viel besser (vielleicht lag es am fehlenden Wind). Meine Kurven wurden deutlich flacher und ich verlor auch nicht die Orientierung. Probleme bereitete mir nur das Seitenruder da ich viel Kraft aufwenden musste um es zu treten. Deshalb wollte die sog. Rollübung bei mir auch nicht klappen. Das Flugzeug schwankte wild hin und her und wir bewegten uns eher in Schlangenlinien auf den Pfaffenberg zu! Es ist eben noch kein „Meister“ vom Himmel gefallen! Nach 45 Minuten landeten wir wieder und Dieter bescheinigte mir dass ich den Geradeausflug und den Kurvenflug zwischen 20° und 30° Querneigung beherrsche.