FSC Möve Obernau
Judith's Flieger-Tagebuch

16.4.2004

Fünf-Stunden-Flug

 

Schon die ganze Woche über hatten wir den Flugbetrieb organisiert. Gestern hatten Patrick und ich schon einmal versucht gemeinsam unseren 5-h-Flug zu machen, doch wir waren einfach nicht hängen geblieben. Da Patrick heute keine Zeit hatte, bereitete ich mich alleine vor. Da es in der Höhe immer viel kälter ist als am Boden, klebte ich die Bugkupplung der Ka8b mit Klebeband zu und so die Luft nicht so stark eindringen konnte. Anschließend rüstete ich mich mit einer Flasche Wasser, Müsliriegel, Traubenzucker, Fettstift und einem Brötchen aus.
Im Wechsel mit der Ka2b startete ich zum ersten Mal gegen 11:30 Uhr. Doch obwohl wir überall suchten fanden wir keine Thermik. Deshalb beschlossen ich noch etwas zu warten. Inzwischen war auch Andres gekommen und rüstete sich die LS8 auf. Ich startete direkt nach ihm und wir blieben zusammen hängen. Es war genau 12:40 Uhr, d.h. ich durfte erst um 17:40 Uhr landen. Ein wunderschöner Bart direkt über der Winde ließ uns zügig steigen. Zwar war es etwas schwierig mit der Ka8b zusammen mit einer LS8 zu kurbeln, zumal Andreas auf meine schwächere Seite, nach links eingekreist war. Doch alles klappte ganz gut. Gemeinsam flogen wir dann gegen den starken Ostwind hinter den Turm. Dabei spürte ich natürlich meinen viel schlechteren Gleitwinkel. Am Himmel standen wunderschöne Wolkenstraßen nach Osten. So konnte ich lange geradeaus fliegen und verlor dabei kaum Höhe. Doch schon nach kurzer Zeit wurde es ziemlich langweilig, denn ich wollte nicht so tief sinken und da wir keine Sektoren hatten war ich auf den Luftraum östlich des Turms jedoch im Sichtbereich der Platzrunde beschränkt. So langsam war auch am Platz einiges los und ich hörte über Funk die LS4, den TwinIII und die Ka2b. Um mich etwas zu unterhalten flog ich zu jedem Flugzeug, das in meiner Nähe kreiste. So machte ich Bekanntschaft mit einer weiteren Ka8, vermutlich aus Reinheim und einem Duo-Discus. Die Thermik war so stark, dass ich kaum irgendwelche Ruder loslassen konnte um mich mal etwas zu entspannen und langsam wurde mir etwas flau im Magen. Ich war mir nicht ganz sicher woran es lag entweder von dem Geschüttel in der starken Thermik oder weil ich schon seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte. Deshalb schnappte ich mir mein Brötchen und aß erst mal etwas. Mir ging es gleich viel besser. Aber so langsam musste ich auf Toilette, nervten die Franzosen und die schrillen Pfiffe im Funk gewaltig und tat mir mein Hintern weh! Über Funk erkundigte ich mich, wie lange ich noch fliegen musste. Noch 25 Min! Langsam begann ich meine Höhe abzugleiten und flog entlang der Sektorengrenze Richtung Obernburg. Nachdem ich genug Höhe abgebaut hatte wendete ich mich nach Westen und flog den Main entlang zurück nach Obernau. Als ich schon an der Position war und meine restlichen 600m abbaute gratulierte mir jemand über Funk. Ich hatte es geschafft! Fünf Stunden am Stück fliegen. Und jetzt kommt noch die Landung. Mit 300m flog ich an der Position los und begann meine Platzrunde. Der Wind war noch immer sehr stark und ich musste im Endteil die Klappen noch mal einfahren um über die große Tanne zu kommen. Die Landung an sich war nicht gerade butterweich aber trotzdem noch gut. Aber das Aussteigen und Laufen gestaltete sich etwas schwierig. Mein ganzer Körper war steif. Glücklich an der Halle angekommen wartete schon eine Schar Gratulanten und freuten sich schon auf das abendliche Freibier
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27.4.2004

Theorieprüfung

 

Frühmorgens um 5:30 Uhr holten mich Frank und Kai ab, damit wir auch bei viel Verkehr pünktlich um 8 Uhr in Nürnberg ankommen würden. Nach kurzer Zeit während ich noch einmal versuchte etwas zu schlafen, war es schon so hell, dass ich mit Hilfe des Kassera noch mal vieles durchgehen konnte. Kurz vor Nürnberg waren wir dann alle wach und es entwickelte sich eine heiße Diskussion über Lufträume und deren Sichtflugminima und Meteorologie. Darüber verpassten wir dann glatt die erste Ausfahrt zum Flughafen. Doch nach einem kleinen Umweg kamen wir dann viel zu früh, schon um 7 Uhr an. Da das Luftamt noch nicht geöffnet hatte, machten wir einen Spaziergang über das Terminal. Anschließend meldeten wir uns im Luftamt zur Prüfung und konnten nach einiger Wartezeit auch einer nach dem anderen beginnen. Mein erstes Fach war Navigation. Die ersten 25 der 40 Fragen behandelten allgemein die Navigation und waren recht einfach, die anderen 15 gehörten zur Flugplanungs- und Navigationsaufgabe. Nach einer Stunde war ich fertig und musste nun 35 Fragen zu Luftrecht beantworten. Nacheinander kamen alle sieben Fächer dran. Da ich fast alle Fragen auswendig wusste, war ich sehr schnell. Für Verhalten in besonderen Fällen und Menschliches Leistungsvermögen benötigte ich jeweils nur fünf Minuten. Deshalb war ich schon gegen 11:30 Uhr fertig. Da Frank gemeinsam mit mir fertig wurde warteten wir zusammen auf unsere Ergebnisse. Kurze Zeit später kam einer der Prüfer und drückte uns grüne Zettel in die Hand.
Wir hatten bestanden!
Auf dem Zettel standen detailliert die Ergebnisse für jedes Fach. Mein schlechtestes war Luftrecht mit 85%.
Draußen war herrliches Wetter. Wir gingen raus und warteten erleichtert auf Kai. Nach ca. 20 Minuten war er dann auch fertig. Leider aber nicht so erfolgreich wie wir. Er war in Navigation, Meteorologie und Luftrecht durchgefallen. Trotzdem machten wir uns gut gelaunt auf den Heimweg und nachdem wir fast mangels Benzin auf der Autobahn liegen geblieben waren, trafen wir um 14 Uhr wieder in Aschaffenburg ein.

26.6.2004

50-km-Flug

 

Nachdem wir am Morgen die Halle ausgeräumt hatten rüstete ich den ClubIII aus und suchte mir zur Flugaufzeichnung einen Logger mit passender Batterie. Während die anderen die übrigen Schulungsflugzeuge startbereit machten maß ich aus der Karte das Dreieck Altenbachtal-Rasthof Spessart-Wörth-Altenbachtal mit etwas mehr als 50km aus. Der erste Start war leider ein Absaufer. Beim nächsten Versuch war ich erfolgreicher. In einem 2-3m Bart schraubte ich mich an die Sektorengrenze und flog ab in Richtung Rohrbrunn. In einem weiteren Bart kreiste ich hinter der Sektorengrenze bis auf 1600m, danach war leider Schluss. So flog ich weiter und fand direkt über meinem Wendepunkt Rasthof Spessart weitere starke Thermik. Zur Abwechslung und Übung kreiste ich mal linksherum und arbeitete mich bis auf 1700m. Um die tollen Wolkenstraßen auszunutzen flog ich weiter östlich statt auf direktem Weg nach Wörth. Die Wolken waren so gut, daß ich kaum Höhe verlor und auf der Strecke sogar die Klappen ziehen musste um nicht den Luftraum über den Sektoren zu verletzen. Nach wenigen Kreisen über dem Schornstein der Glanzstoff konnte ich zurück zum Flugplatz fliegen. Nach ca. 1h 40min landete ich schon wieder im Altenbachtal. Anschließend wertete ich meinen Logger aus und hatte mit dem Barogramm nun fast alle Unterlagen für die Meldung zur praktischen Prüfung zusammen. Nur ein paar Unterschriften von Marc fehlten noch auf der Ausbildungskarte. Da ich abends noch meinen 18. Geburtstag nachfeiern wollte putzte ich meinen Flieger und stellte den üblichen Kasten Bier heraus.