FSC Möve Obernau
Judith's Flieger-Tagebuch

25.7. 2004

Praktische Prüfung

 

Es war endlich soweit nach einigen Wochen gespannten Wartens auf den Prüfungstermin hatten jetzt alle Beteiligten einen gemeinsamen Termin gefunden. Laut Zeitplan sollte der Prüfer Herr Spiech gegen 13 Uhr von Thomas meinem Motorsegler-Mitprüfling per Flugauftrag in Altfeld abgeholt werden und um ca. 14 Uhr mein Prüfungsflug stattfinden. Da ich die Tage vorher kaum Ka2b geflogen bin wollte ich vorher noch einmal mit Christoph das Prüfungsprogramm fliegen. Deshalb war ich sehr überrascht als schon gegen 11 Uhr der KASP mit Thomas zum Start Richtung 25 rollte während wir gerade beim Startumbau beschäftigt waren. Wir beeilten uns die Ka2b auch an den Start zu ziehen und ich startete gleich mit Christoph. An der Position fand ich zum Glück gleich einen Bart und wir kurbelten bis auf 900m. Dann begann ich das Prüfungsprogramm bestehend aus Langsamflug bzw. Sackflug, Steilkreisen, Kurvenwechsel, hochgezogene Fahrtkurve, Rollübung und Slip im Endteil. Da wir nach allen Übungen mit Ausnahme des Slips noch immer mehr als 700m hatten schlug Christoph vor mal etwas zum Entspannen und Spaß haben zu machen. Er übernahm das Steuer und begann mit einigen Trudelumdrehungen gefolgt von einigen Steilkreisen mit Querlage >60°. Bei 300 m übernahm ich wieder und begann mit meiner Landeeinteilung. Da wir noch slippen wollten flog ich mit 250m an der Position ab und leitete im Endteil den Slip ein und erst kurz vor dem Boden wieder aus. Christoph warnte mich gleich, dass der Prüfer das wahrscheinlich nicht zulassen wird. Nun begann die lange Zeit des Wartens auf den Prüfer. Um 14:30 Uhr kam er dann endlich.
Vor dem ersten Start stellte er mir überraschender Weise noch einige Fragen zu den Düsen und dazugehörigen Instrumenten, die ich leider erst im zweiten Anlauf richtig beantworten konnte. Das stellte ihn trotzdem soweit zufrieden so daß wir uns startbereit machten. Nach dem Start versuchte ich Thermik zu finden und flog nach seinen Anweisungen rechts über die Halle und den Wald entlang und schließlich Richtung Soden. Da wir nur noch 250m hatten wies ich Herrn Spiech darauf hin, daß wir mit mind. 200m an der Position sein müssen. Gerade als ich die Rechtskurve zur Position einleiten wollte schlug das Vario aus und ich kreiste ein. Nach wenigen Kreisen kam von hinten die Anweisung: ”Ich übernehme jetzt mal.” Doch schon nach einigen Kreisen durfte ich das Steuer wieder in die Hand nehmen. Wir wurden während des Kreisens bis ans Ortsende von Soden versetzt. Dort kamen auf einmal Alexej mit der Ka8 von unten und Uli mit der ASK13 von oben in den Bart. Jetzt war ich nur noch mit Rausschauen beschäftigt und versuchte die 180°-Versetzung möglichst zu halten. Dabei musste ich mich so weit aus dem Zentrum des Steigens entfernen das wir eigentlich keinen Höhengewinn mehr hatten. Deshalb wies mich Herr Spiech auch an aus dem Bart auszusteigen und in Richtung des Mains Langsamflug und Sackflug zu machen. Anschließend wollte er noch eine hochgezogene Fahrtkurve nach links mit anschließender 180°Kurve sehen. Nachdem ich das zu seiner Zufriedenheit getan hatte kehrten wir zurück zu unserem alten Bart und kreisten erneut ein. Doch schon nach wenigen Kreisen sollte ich Richtung Aschaffenburg abfliegen und dann eine hochgezogene Fahrtkurve nach rechts machen. Ich leitet die Kurve aus, holte Fahrt auf und zog hoch. Als ich vor der Rechtskurve rausschaute tauchte auf einmal die Ka8 in meinem Blickfeld auf. Sie war aber tief genug und ich konnte einkreisen. Anscheinend war Alexej uns gefolgt weil er dachte wir würden Thermik suchen. Dem Prüfer reichte es nun und er wies er mich an eigenständig zum Platz zurück zu kehren und bei der Landeeinteilung den Slip zu berücksichtigen. Nun hatte ich zu diesem Zeitpunkt aber noch 700m und die Klappen ziehen wollte ich nicht. Deshalb flog ich Richtung Obernburg und versuchte dabei möglichst viel Höhe zu verlieren. Über Niedernberg fing er an ungeduldig auf das Instrumentenbrett zu trommeln, was mich nicht gerade beruhigte. An der Position angekommen flog ich mit 250m Richtung Wald ab. Kurz vor der Kurve in den Endteil spürte ich schon wie der Prüfer unruhig wurde und drehte früher als beabsichtigt herum. Als ich die Ka2b gerade ausgerichtet hatte leitete ich den Slip ein und zog zur Stabilisierung die Klappen. Wir stürzten buchstäblich wie ein Stein Richtung Boden und wie ich es erwartet hatte forderte Herr Spiech mich schon sehr früh zum Ausleiten auf. Ich leitete aus zog die Klappen etwas stärker und setzte auf. Nach dem Ausrollen stiegen wir aus und er gratulierte mir zur bestandenen Prüfung. In der Zwischenzeit war der Lepo gekommen und wir zogen das Flugzeug zurück zum Start. Nach der allgemeinen Gratulationsrunde schrieb ich die Startkladden für den Rest des Tages und spendierte am Abend natürlich die obligatorische Kiste Bier. Das sehnsuchtsvolle Warten auf die Zusendung des Scheins durch das LBA Nordbayern hatte begonnen.
Mit diesem Eintrag möchte ich mein Tagebuch schließen. Ich hoffe ich konnte Ihnen ein wenig die Faszination die vom Segelfliegen ausgeht veranschaulichen, ebenso dass Sie Spaß beim Lesen hatten und jetzt eine ungefähre Vorstellung von der Ausbildung zum Segelflugzeugführer haben.
Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken die mich bei der Ausbildung unterstützt haben. Allen voran natürlich die Fluglehrer aber auch Flugleiter, Windenfahrer und auch alle anderen Flugschüler.