FSC Möve Obernau

Überlandflug am 20.6.2004 mit Außenlandung bei Meiningen

Noch am 18.6. glaubte ich das Wochenende wäre für die Segelfliegerei wegen schlechtem Wetter verloren. Als ich jedoch am 20.6. morgens aus dem Fenster schaute, konnte ich es nicht glauben dass es trotzdem so gut aussieht. Nachdem ich mich im Internet auf "Wetter-Jetzt" vergewisserte, sollte es in der Mitte von Deutschland gutes Streckenflugwetter geben.

Nachdem ich meine Frau überzeugt habe, dass gutes Wetter wichtiger ist, als irgendwelche Flohmarktbesuche, machte ich mich auf den Weg zu unserem Segelfluggelände. Dort wurde gerade eine LS4 aufgerüstet welche durch unser Fluglager noch im Anhänger stand. Nach Rücksprache mit dem Flugleiter konnte ich mir die LS 8, welche auf 18 Meter aufgerüstet ist, reservieren. Nach ein paar Handgriffen beim Aufrüsten und ausräumen diverser Flugzeuge konnte ich die LS 8 mit den notwendigen Utensilien bestücken und zum Start bringen. Nachdem unser Twin als Erstes gestartet war, kam ich als zweites dran. Der erste Start begann jedoch sofort mit einem Absaufer, so das ich diesen noch einmal üben konnte. Danach fand ich genügend Thermik um auf Strecke zu gehen.

Nach Norden sah es gut aus. Bei einer anfänglichen Basis von 1.300 m musste man sich jedoch von Wolke zu Wolke hangeln. Ab Gelnhausen stieg die Basis und meine höchste Höhe betrug immerhin 2300 m. In Höhe von Gießen Reiskirchen wechselte ich meine Richtung und folgte den schönen Wolken in Richtung Nordostost.

In Flugrichtung stand ausgerechnet in ED-R96 eine wunderbare Wolke welche ich nutzen wollte. Nach Rücksprache mit Langen Informationen erfuhr ich, dass ED-R96 nicht aktiv ist. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Wolke besser aussah als dass sie war. Den Flugplatz "Alsfeld" im Auge behaltend suchte ich die nächste Wolke auf welche mir mit 1m steigen besser weiter geholfen hatte. Ab jetzt lief es fantastisch. Bei Bad Hersfeld einen 2m-Bart findend erreichte ich eine Höhe von 2200m. Nachdem ich die umliegenden Wolken prüfte, legte ich mir meine weitere Route fest welche mich an den nördlichsten Punkt meines Fluges, bei Staufenbühl, brachte. Nun ging es in südlicher Richtung weiter und ich kam an die Ausläufer des Thüringer Waldes. Dieser sah jedoch heute nicht so gut aus so dass ich mich entschloss vor dem Thüringer Wald die schönen Wolken für den Heimflug zu nutzen. So schön die Wolken auch aussahen, so richtig ziehen wollten sie nicht. Nordwestlich von Meiningen hatte ich dann meinen letzten Aufwind welcher mich jedoch mit 0,3m nicht so richtig weiter brachte. Nachdem auch dieser plötzlich aufhörten, fixierte ich die nächste Wolke auf einem kleinen Hochplateau an. Außerdem erkannte ich von weitem das dort zwei größere Äcker waren, welche mir gegebenenfalls als Landeplatz dienen könnten. Das Hochplateau erreichend musste ich feststellen, dass auch diese Wolke mir nicht weiterhelfen konnte. Jetzt blieb nur noch Lande-Checks ausführen, Fahrwerk raus und ab in den Acker. Dieser war so groß, dass ich mitten im Feld zum Halten kam. Alles gut gegangen. Auch die Ermahnungen des Fluglehrers "macht einen Gegenanflug, Queranflug und Endanflug, auch dann werdet ihr eine Außenlandung macht" wurde beherzigt. Mein erster Blick viel auf den Logger und die Position auf der ich mich befand. 112Km vom Heimatflugplatz entfernt hörte sich eigentlich gar nicht so viel an. Ein Anruf am Platz mit Angabe meiner Position und Koordinaten genügte, um die Rückholer zu aktivieren. Manfred Steffen und Klaus Kullmann machten sich auf den Weg. Zum Glück hatte ich daran gedacht meinen Autoschlüssel im Clubheim zu hinterlegen. Nun begann die Warterei.

Natürlich bekam ich auch gleich Besuch von diversen Leuten aus dem Ort “Dreisigacker” welche natürlich über alles mögliche Informiert werden wollten. Eine Frau meinte ich hätte sie ganz schön erschreckt als ich da “Notlanden” musste. Natürlich habe ich gleich berichtigt, dass es sich hier um eine “Außenlandung” handelte, welche bei Segelflugzeugen etwas ganz normales ist. Einen Motor haben wir halt nicht und ist der Motor “Thermik” ausgefallen müssen wir runter.

Der örtliche Arzt war mit seinem kleinen Jungen ebenfalls anwesen und blieb zu seinem Pech auch am längsten da. Er machte den Fehler mich zu fragen ob er noch etwas helfen könnte. Ich bat ihn mir zu helfen den Flieger bis an den Ackerrand zu ziehen, wo ich auf die Rückholer warten wollte. Sein Junge hielt die Fläche und wir zogen an den Gurten den Flieger. Auf der Hälfte der Strecke gaben wir erst mal auf. Außer Atem meinte er, dass er sich das nicht so schwer vorgestellt hätte. Nach 2 min. ging es weiter. Aber die Puste ging uns diesmal noch früher aus. Zum Glück kam da noch ein Herr neugierig vorbei und wurde ebenfalls zum Ziehen “animiert”, was er auch bereitwillig tat.

Am Rande des Feldes angekommen bedankte ich mich bei allen und fing an den Flieger abzurüsten. Das beschränkte sich jedoch auf die Aufsteckflügel und das Höhenleitwerk. Danach ging ich zu dem in der nähe liegenden Reiterhof um von dort auch noch ein Foto zu machen.

Währenddessen fuhr ein Traktor mit Heuwagen in Richtung meines Fliegers. Na – das wird wohl der Bauer sein, welcher das abgemähte Gras als Frischfutter aufsammeln will. Nichts wie hinterher. Von weitem sehe ich schon, wie er die Spur meines Fahrwerks in seinem Acker begutachtet und ich erahne nichts gutes. Als ich dort ankam fing er auch gleich zu wettern an von wegen “da erfriert einem die erste Saat, muss den Acker neu einsähen und dann benutzt ihr den als Landeplatz – könnt ihr nicht auf der Wiese landen”? Diese war 20m breit und 70m lang abgemäht. Ich versuchte es ihm klar zu machen und fragte ihn, ob ich einen Schaden gutmachen könnte. Er winkt verärgert ab, setzt sich auf seinen Traktor und sammelt sein “Grünzeug” ein.

Jetzt kommt auch noch ein Schlechtwetter auf mich zu. Was jetzt? Ein Anruf bei den Rückholern ergibt, dass diese auf der anderen Seite des schlechten Wetters sind. Ich baue das Höhenleitwerk wieder auf, so dass kein Regen in das Seitenleitwerk gelangen kann und will den Regenschauer im Flieger abwarten. Dieser lässt jedoch so lange auf sich warten, bis meine Rückholer bei mir ankommen. D.h., den Flieger bei Regen abbauen und einräumen. Zum Glück ist der Regen nicht so stark. Als der Flieger eingeräumt ist, kommt auch schon wieder die Sonne durch und erzeugt einen wunderschönen Regenbogen. Leider ist dieser beim Fotografieren der Rückholer außerhalb des Erfassungsbereiches.

Ich hatte mich schon um die nächste Gaststätte im Ort erkundigt, musste jedoch von den Rückholern erfahren, dass diese auf dem Weg zu mir bereits ein Chinesisches Restaurant auserkoren haben. Soll mir auch recht sein. Nach ca. 30min. erreichten wir dieses und wir konnten uns ein gutes Essen gönnen. Nachdem wir alle satt waren stand unserer Rückfahrt nichts mehr im Wege. Zu erst haben wir Klaus zu Hause abgeliefert, was nur einen kleinen Umweg bedeutete. Um 1:00Uhr sind wir endlich am Flugplatz angekommen.

Den Flieger muss ich morgen noch ausräumen und reinigen. Der ist ja “nass” in den Anhänger gekommen. Als ich endlich um 1:30Uhr zu hause war, meinte meine Frau “wir wären doch besser auf den Flohmarkt gegangen”, was ich nur z.T. bestätigen konnte.

Fazit: Nicht jede Wolke die gut aussieht bringt dich in die Höhe, manche bringen dich auch auf den Acker. In dem Sinne wünsche ich allen Fliegerkollegen ein erfolgreiches, unfallfreies Jahr 2004

Roland Glas